Gia Marie Carangi.

 

„Ich hab das Gefühl, dass sie für jeden eine Andere gewesen ist. Manchmal war sie die, die ich kannte und manchmal gar nicht. Ein Mensch der heute sagt er wüsste ganz genau wer sie war, kann sie nicht gekannt haben.“

-aus dem Film „Gia“-

 

Gia Marie Carangi war das erste Supermodel der Welt. Was sie brühmt machte, war nicht unbedingt ihre Schönheit, sondern ihr Auftreten und ihre Eigensinnigkeit.

Sie war ein „wild child“, das nackt posierte, sich in Männerklamotten ablichten ließ, kein Make-Up trug und dem irgendwelche Regeln der Fashionindustrie vollkommen egal waren. War sie nicht mehr in der Stimmung für ein Fotoshooting, ging sie einfach. Sie war offen lesbisch oder zumindest bisexuell.
Und trotzdem stritten sich die Topfotografen der Welt um sie. Sie erschien auf dem Cover der Vogue Paris, der American Vogue, der italienischen Vogue und mehrfach in der Cosmopolitan.

Doch das, was Gia so besonders machte, das, was sie von anderen Models unterschied, führte zu zu ihrem Untergang.

Sie nahm Heroin, trank Alkohol und feierte nächtelang im legendären Club Studio 54.
Selbst als Gia schwer drogenabhängig war, bekam sie weiterhin Jobs. Ihre Einstichnarben wurden abgedeckt – und sie abgelichtet.

Im Jahre 1986 wurde bei ihr HIV diagnostiziert und noch im selben Jahr starb Gia Marie Carangi im Alter von 26 Jahren als eine der ersten bekannten Frauen der westlichen Welt an Aids.

In ihrem Tagebuch schrieb sie folgendes:

„Life and death, energy and peace. If I stop today it was still worth it. Even the terrible mistakes that I made and would have unmade if I could. The pains that have burned me and scarred my soul, it was worth it, for having been allowed to walk where I’ve walked, which was to hell on earth, heaven on earth, back again, into, under, far in between, through it, in it, and above. „

Im Jahr 1998 wurde ihr Leben verfilmt, mit der jungen Angelina Jolie in der Rolle der Gia. Jolie lehnte die Rolle damals zunächst mehrfach ab, da sie zu viele Parallelen zwischen sich und Gia sah und sich nicht in der Lage fühlte sie zu spielen. Drehbuchautor Michael Cristofer bedrängte sie jedoch so lange, bis sie die Rolle annahm. Da Angelina Jolie Method Acting praktiziert, verblieb sie auch zwischen den Szenen in ihrer Rolle. So weigerte sie sich beispielsweise mit ihrem damaligen Ehemann Johnny Lee Miller zu sprechen.

„I’m alone, I’m dying, I’m gay and I’m not going to see you for weeks!“

Sie ging soweit, sich für die letzten Szenen des Films den Kopf rasieren zu lassen und es trat genau das ein, was sie befürchtet hatte: Nach dem Ende der Dreharbeiten stürzte Angelina ab, weil sie es nicht schaffte von Gia loszukommen und spielte mit konkreten Selbstmordplänen.

All das sieht man diesem Film an, der Gias turbulentes Leben darstellt. Als ich den Film zum ersten Mal sah, wusste ich nicht wirklich, dass es diese Gia wirklich gab und hielt ihn einfach nur für Angelina Jolies beste schauspielerische Leistung (neben „Girl, interrupted“). Danach sah ich ihn weitere Male und dachte an die echte Gia. Sie war jung, wunderschön und begehrt. Sie hätte alles haben können – und endete auf diese Art und Weise. Diese letzten Szenen im Film waren…schockierend. Mit Mut zur Hässlichkeit. Kahler Kopf, Geschwüre, Krämpfen – wenn man Gia im Film in ihren letzten Tagen sieht, begreift man, dass der Tod immer hässlich ist. Es gibt kein „schönes“ Sterben, auch nicht für eine der schönsten Frauen der Welt.

Auch wenn ich finde, dass der Trailer den Film nicht richtig wiedergibt, da zu wenige Szenen den Verfall und die Verzweiflung Gias zeigen, möchte ich ihn nicht vorenthalten.

Im Film kommen immer wieder Sequenzen mit Kommentaren von Menschen vor, die die reale Gia gekannt haben und teilweise sehr unterschiedliche Bilder von ihr zeichnen. (An dieser Stelle empfehle ich dringend (!) den Film im Originalton zu schauen, da die deutsche Synchronation schrecklich ist. Besonders die deutsche Stimme Gias ist unglaublich unpassend.)

Besonders interessant finde ich den Anfangs- und Endmonolog, der aus ihrem eigenen Tagebuch stammt und zeigt, dass sie trotz ihrem toughen Auftreten eine Frau war, die sich einsam fühlte und immer auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit war. (Und doch zerstört sie im Film die Beziehung mit der Frau, die ihr das geben konnte und wollte (übrigens überzeugend gespielt von Elizabeth Mitchell).)

Der Satz mit dem damals für den Film Werbung gemacht wurde, lautete:

„Too beautiful to die. Too wild to live.“

Nach „Gia“ lässt sich sagen: Sie war eben nicht zu schön, um zu sterben. Aber bestimmt zu wild und innerlich zu kaputt, um zu leben.

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2 Antworten zu “Gia Marie Carangi.

  1. Ich wollte den Film auf DVD kaufen, aber er war leider vergriffen. Probiere mal, ihn bei eBay zu bekommen oder so. Schon alleine, weil ich Elizabeth Mitchell vergöttere. Und weil das wirklich alles sehr, sehr spannend klingt.

  2. Ich hab ihn damals auf Ebay in der englischen Version bestellt, weil es die deutsche noch gar nicht gab. Der Film war lange Zeit als Rarität bekannt und es war schwer ranzukommen. Aber mittlerweile habe ich ihn in einigen Läden gesehen, seit er in Deutschland rausgebracht wurde. Viel Glück!

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