There will be an answer, let it be.

Da ich momentan in einer akuten Klausur-, Refrerats- und Hausarbeitsphase stecke, finde ich nicht die Muse und Zeit, um hier regelmäßiger zu bloggen. Am Herzen liegt es mir aber trotzdem, auch wenn ich nicht weiß, wer sich überhaupt für das interessiert, was ich mit euch teilen möchte. Dieser Blog ist auch etwas für mich selbst, ein Sammelsurium von Inspirationen und Gedanken.

Heute Mittag zappte ich durch das Fernsehprogramm in der Hoffnung, mich vom Lernen ablenken zu können. Ich blieb an der Trauerfeier von SAT1 für Bernd Eichinger hängen. (An dieser Stelle möchte ich nicht darüber diskutieren, ob es sinnvoll und angemessen ist, eine solche im Fernsehen auszustrahlen. Die meisten Leute werden das nicht verstehen, da seine Arbeit hier in Deutschland zeit seines Lebens nicht genug gewürdigt wurde, im Ausland aber sehr wohl, wie verschiedentlich zu lesen war. Grund für die TV-Austrahlung war wohl die hohe Prominentendichte in der Kirche. Aber darum soll es in diesem Eintrag nicht gehen.) Ich habe einige Filme von Bernd Eichinger gesehen und besonders „Der Untergang“ und „Der Baader-Meinhof-Komplex“ sind mir sehr in Erinnerung geblieben, weil sie mich aufgewühlt haben.

Ich schaltete kurz vor einer Trauerrede von Tom Tykwer ein, einem guten Freund von Bernd Eichinger. Ich dachte mir, dass er jetzt bestimmt eine Weile über die Werke seines Kumpels sprechen wird – nichts besonderes eben. Aber so war es nicht. Versteht mich nicht falsch – ich war kein Fan von Bernd Eichinger, ich kannte nur einige seiner Filme und fand sie toll. Aber das, was Tykwer dort aufrichtig traurig über ihn erzähle, hat mich berührt. Ich dachte gar nicht mehr daran, dass ich einen Termin beim Physiotherapeuten hatte, sondern blieb vor dem Fernseher hocken und hörte zu.

Tykwer erzählte, dass Bernd Eichinger sein Leben immer genossen hätte, mit allen Ausschweifungen, und nichts ausgelassen hätte. Er habe gebrannt und selbst immer wieder gesagt: „Meine Fresse, ich hab’s krachen lassen.“ Die Leute hassten oder liebten ihn dafür. Aber er habe immer etwas ausgelöst, niemanden kaltgelassen, der ihm begegnet sei.
Zudem habe er gesagt, dass er sich seinen Tod wie folgt vorstelle: „Ich will umfallen und zack, das war’s dann.“ Er sei auf der einen Seite ein Berseker gewesen, ein Draufgänger – auf der anderen ein guter Freund. „Wen Bernd einmal auf dem Radar oder ins Herz geschlossen hatte, der blieb dort beheimatet. Ganz sicher auch in schweren und stürmischen Zeiten“.

Man sagt, dass nirgendwo so viel gelogen wird wie auf Beerdigungen. Aber die Art wie Tom Tykwer davon sprach, ließ keinen Zweifel daran, dass er es ernstmeinte.

Der Regisseur Uli Edel, der Eichinger über 40 Jahre lang kannte und mit ihm befreundet war, erzählte davon, dass Eichinger „immer ein Rock’n Roller gewesen sei“, der sich an der Hochschule für Film „Johnny“ genannt habe und den er wegen seines „unverschämten Selbstbewusstseins“ zuerst gar nicht habe ausstehen können. Das habe sich jedoch schnell geändert. Er fragte: „Was kann einem Mann Besseres widerfahren, als einen Freund wie Dich zu haben?“.

Wie gesagt, ich kannte Bernd Eichinger nicht wirklich, aber die Art wie seine Freunde von ihm sprachen rührte mich auf komische Art und Weise. Auch ein Artikel im Focus über seinen Tod, den ich zufälligerweise im Wartezimmer einer Arztpraxis gelesen hatte, kam mir wieder in den Sinn. Darin wurde folgende Begebenheit geschildert:

So berichtete Kinostar Til Schweiger im FOCUS von einer Reise mit Eichinger in den 90er-Jahren, bei der er „Todesangst“ durchlitten habe. Eichinger habe sich bei dem Flug mit einer Cessna über den Grand Canyon bei stürmischem Wetter lediglich über die Angst Schweigers amüsiert: „Mensch, Til, stell‘ dir mal die Schlagzeile vor, wenn wir jetzt abkacken: ,Bernd Eichinger und Til Schweiger über dem Grand Canyon abgestürzt!‘ Wär‘ doch total geil.“ Eichinger sagte laut Schweiger: „Der Feigling stirbt jeden Tag Tausende Tode, der Mutige nur einmal.“ (Quelle)

Ich hatte in diesem Wartezimmer darüber nachgedacht, wie er über den Tod sprach. Und was seine Freunde bei der Trauerfeier über ihn erzählten, hat genau dem Eindruck entsprochen, den dieser Artikel mir von ihm vermittelte. Ein Mann, der das Leben liebte und im Vollsten auskostete. Und der den Tod nicht sonderlich fürchtete, weil er genau wusste, dass er nichts in seinem Leben ausgelassen hatte.

Und passend zu meinem Eindruck trugen seine Frau und seine Tochter die Urne mit seinen Überresten zu den Klängen von „Let it be“ aus der Kirche. Kein trauriger Song, sondern einer, bei dem ich schmunzeln musste. Er passte zu dem Bild, dass seine Freunde von Eichinger gezeichnet hatten, wie die Faust aufs Auge. Und nicht nur zu diesem Bild, sondern auch zu dem Foto von ihm, das vorne in der Kirche stand.

Es war eine Trauerfeier, wie ich sie mir ähnlich wünschen würde (wenn auch nicht im Fernsehen und im kleinsten Kreis). Kein übermäßig großes Geschwafel über die Bibel oder Ähnliches. Sondern Freunde, die Anekdoten über einen erzählen.  Die lachen, wenn sie an Nächte mit Rum, Rockmusik und Philosophieren denken. Die einen nicht beweihräuchern, sondern auch erzählen wie morgenmuffelig und motzig man sein konnte.Das war auf dieser Trauerfeier so.

Ich hätte nicht gedacht, dass eine solche Feier (auch noch im Fernsehen) zu Ehren eines Menschen, von dem ich bloß seine Filme kannte, mir das gegeben könnte.  Ein Gefühl von Hoffnung. Eine Einstellung, von der ich mir gerne eine Scheibe abschneiden würde. Ich will meine Zeit nicht damit verschwenden, an den Tod zu denken. Wir können alle nichts daran ändern, dass wir sterben. „Zack, das war’s dann.“ – Let it be.

Falls es jemanden interessiert, hier das Ende der Trauerfeier mit dem großartigen, hoffnungschenkenden „Let it be“.

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