„Rassismus ist aber gemein!“ – Eindrücke vom Lehrersein.

Morgen endet mein viertes Schulpraktikum. Ich habe drei Schulstunden geplant und gehalten, wobei ich von meinem Fachleiter, dem Fachlehrer und einer weiteren Praktikantin bewertet/beobachtet wurde. Ich weiß noch gar nicht genau, was ich sagen soll. Die Erfahrungen waren so…unterschiedlich.

Ich wünschte, ich könnte sagen: „Lehrer zu sein ist mein größter Wunsch. Ich wusste schon immer, dass ich das will.“ Aber das wäre schlichtweg gelogen. Ich wollte eigentlich nie Lehrer werden und bin mir auch noch heute oft sehr unsicher. Ich hab nicht unbedingt diesen Idealismus, den viele Lehramtsstudenten mitbringen. Den größten Teil meines Studiums denke ich nur daran, dass ich als Lehrer recht gut verdienen werde (mein Vater war Lehrer und ich weiß das) und viel Urlaub habe. Das Klischee. Ich bin mir nicht sicher, ob ein Beruf einen unbedingt erfüllen muss. Reicht es nicht auch, wenn man ganz gut darin ist und sich dadurch sein Leben finanzieren kann (und nebenbei noch viel Zeit für Reisen hat?). Ich meine, in welchem Beruf kann man schon viermal im Jahr Urlaub machen?

Und dann gibt es diese Momente, in denen man vor der Klasse steht und sich sicher ist, dass es Sinn macht, was man tut. Wenn ein Kind etwas verstanden hat, das du ihm erklärt hast. Wenn du merkst, dass ein Junge unglaublich gut schreibt für sein Alter. Wenn die Schüler ihre Lieblingsbücher vorstellen. Wenn ein Mädchen nach deiner Stunde zu dir sagt: „Rassismus ist aber gemein!“. In solchen Momenten fühlst du dich unglaublich befriedigt. Du weißt, dass du bei diesem kleinen Menschen etwas bewegt hast. Wenn es auch nur diese eine Gefühlsregung war, die zu diesem Ausruf geführt hat. Du denkst in diesen Augenblicken, dass du mit diesem Beruf etwas kannst, was in vielen anderen Berufen nicht möglich ist: Du kannst einen jungen Menschen formen.

Natürlich bin ich nicht so naiv, dass ich meinen Einfluss auf die Schüler überschätze. Ich kann mich an wenige einen Lehrer erinnern, der mich geprägt haben. Und doch gab es sie. Mein Geschichtslehrer ist ein Grund, warum ich Geschichte studiere. Sein „Nehmt eure Verantwortung Ernst! Ihr seid mündige Bürger und geht wählen!“ wird mir immer in Erinnerung bleiben. Es gab diese Lehrer, die etwas in dir bewegen konnten.

Ich weiß nicht, ob ich das Zeug dazu habe. Ich bin noch sehr jung, ich habe  nicht diese Erfahrung wie die Lehrer, die ich klasse fand. Aber ich habe gemerkt, dass ich bei Schülern etwas auslösen kann. Durch provozierende Fragen, dadurch, dass ich sie nicht unterschätze und ihnen etwas zutraue. Denn das waren die Lehrer, die ich mochte: Die einen nicht für dumm hielten und Ansprüche an einen hatten. Die Schüler respektierten und ihnen etwas zutrauten.

Es wird wieder diese Tage geben, an denen ich in Pädagogikseminaren sitze und denke „Du bist einfach nicht für diesen Psychokrempel geschaffen“. Tage im Referendariat, an denen mich das alles überfordert, die ständigen schriftlichen Aufgaben, die Stundenentwürfe, die ständigen Unterrichtsbeobachtungen und die harte Kritik. „Sie haben selbst zu viel geredet!… Die Aufgaben waren nicht schülerzentriert genug!…Sie müssen mehr Körperpräsenz zeigen!“

Und dann wird es Tage geben, an denen ich mit einem Lächeln die Klasse verlasse, weil ich weiß, dass es Sinn macht. Nichts macht mehr Sinn als Bildung zu vermitteln. Und sei es nur, dass die Siebtklässler keinen Bock auf Rassismus haben.

 

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2 Antworten zu “„Rassismus ist aber gemein!“ – Eindrücke vom Lehrersein.

  1. Auch bei mir gab es in den 14 Jahren meines Schülerlebens nur eine Handvoll Lehrer, die mich beeindruckt und nachhaltig geprägt haben – und anscheinend sind Geschichtslehrer dafür irgendwie prädestiniert, denn ich kann wirklich sagen, dass mein Geschichtslehrer zu einem großen Teil dafür verantwortlich ist, wer ich heute bin.
    Ich glaube, dass manche Menschen für etwas geschaffen sind. Ihnen fällt alles leicht und sie gehen in ihrem Beruf förmlich auf, lieben ihn von ganzem Herzen und sind mir Feuer und Flamme dabei. Und dann gibt es eben Menschen, die erst in ihre Aufgaben hineinwachsen müssen. Aber ich glaube nicht, dass diese Menschen irgendwie schlechter sind.
    Ich denke, du wirst es als Lehrer nicht immer leicht haben, immerhin hast du dir kleine pubertierende Monster als „Kundschaft“ ausgesucht, aber Leheresein ist bestimmt auch sehr erfüllend. Viele Lehrer meiner ehemaligen Schule waren nicht von Anfang an davon überzeugt, dass sie später einmal Lehrer sein möchten, viele haben auch während dem Studieum stark gezweifelt. Aber heute sagen alle, dass es sie glücklich macht. Ich drücke dir die Daumen, dass es dir genauso geht – lass‘ dich auf keinen Fall entmutigen! 🙂

    Liebe Grüße!

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