Was Buffy bedeutet. Ein Versuch.

„Even if you see them coming, you’re not ready for the big moments. No one asks for their life to change, not really. But it does. So, what are we, helpless? Puppets? Nah. The big moments are gonna come, you can’t help that. It’s what you do afterwards that count. That’s when you find out who you are.“

Ich möchte schon so lange einen Blogartikel darüber schreiben, was die Serie „Buffy The Vampire Slayer“ für mich bedeutet. Lange habe ich mich nicht getraut, weil ich weiß, dass meine Worte dem nicht gerecht werden. Ich habe nicht das Vermögen, die richtigen Worte dafür zu finden und das hier wird sich nicht so flüssig anhören wie es eigentlich sollte. Aber ich möchte gerne versuchen, es zu erklären.

In Buffy geht es nicht um Vampire, obwohl die Hauptfigur den Titel „vampire slayer“ trägt. Stattdessen geht es um ein normales, am Anfang der Serie 16 Jahre altes Mädchen, das im Laufe der Serie erwachsen wird. So weit so gut, darum geht es in vielen Serien. Was Buffy Summers so besonders macht, ist die Bürde, die auf ihren Schultern liegt.

„In every generation there is a chosen one. She alone will stand against the vampires the demons and the forces of darkness. She is the slayer.“

Nun, in dieser Genration ist Buffy die Auserwählte, wie ihr im Alter von 15 Jahren mitgeteilt wird. Buffy, begeisterte Cheerleaderin und normale Teenagerin, reagiert darauf folgendermaßen:

Watcher: There isn’t much time. You must come with me. Your destiny awaits.
Buffy:  I don’t have a destiny. I’m destiny-free, really.“

Wohl oder übel lässt sie sich in ihre Aufgabe, nämlich Vampire zu töten, einführen. Nachdem sie aufgrund ebenjener Vampire die Turnhalle ihrer alten Schule abbrennen musste und daraufhin von jener verwiesen wird, kommt sie mit ihrer Mutter nach Sunnydale, Kalifornien.

Dort hofft sie nun, mit weißer Weste ein normales Leben zu führen, ohne Vampire, ohne Verantwortung. Wie man sich schon denken kann, kommt alles anders.

Buffy wird erneut mit ihrer Berufung konfrontiert, nimmt ihre Verantwortung an, läuft vor ihr weg, rettet die Welt, hadert mit ihrem Schicksal und mit sich selbst. Der Grund, der sie immer wieder aufstehen lässt, sind ihre Freunde Willow und Xander, die sie direkt an ihrem ersten Schultag kennenlernt und vor denen sie ihren „Job“ und ihre nächtlichen Aktivitäten natürlich nicht lange verbergen kann.

Das intelligente Computergenie Willow und der humorvolle Xander – beide Außenseiter- lassen sich von Buffys Schicksal nicht abschrecken, sondern versuchen sie, so gut es für normale Menschen möglich ist, zu unterstützen. Dazu stößt Buffys Wächter Giles, der Bibliothekar der Schule, dazu abgestellt Buffy auf ihre Aufgabe vorzubereiten und ihr im Kampf gegen das Böse zur Seite zu stehen.

Das Böse besteht jedoch nicht immer aus Dämonen oder Schattenwesen. Viel zu oft ist es das Leben, die Liebe, die Verantwortung, die die Hauptfiguren ins Straucheln bringen. In sieben Jahren sieht man Buffy dabei zu, wie sie sich in den Vampir Angel verliebt und ihn immer wieder verliert, Willow dabei, wie sie versucht ihre Unsicherheit zu überwinden und endlich die starke Frau zu sein, die in ihr steckt, und beobachtet Xander dabei, wie er zum Mann wird, der so gar nichts mit seiner Alkoholikerfamilie gemeinsam hat, und sich in eine Dämonin verliebt.
Dabei leidet und freut man sich so sehr mit den Charakteren mit, wie ich es bei keiner anderen Serie erlebt habe.Das liegt ganz eindeutig an der Tiefe, die den einzelnen Figuren verliehen wird.

Man kann nicht anders als zu seufzen, wenn man Willow in ihren unförmigen Strickpullovern sieht, wie sie (scheinbar unsichtbar) im Schatten Buffys steht. Es bleibt kein Auge trocken, wenn Buffy die Prophezeiung ihres Todes hört und weinend ihren Wächter anschreit: „Giles, I’m 16 years old! I don’t wanna die!“. Xander, der Weihnachten im Garten übernachtet, weil er es nicht ertragen kann, dass seine Familie sich betrinkt und einander beschimpft. Giles, der mit der Zeit merkt, dass er nicht nur Buffys Wächter ist, sondern immer mehr zu einer Vaterfigur für sie wird.

Doch es sind nicht nur diese Hauptfiguren, die Buffy so sehenswert machen. Selbst die Nebenfiguren sind detailiert ausgearbeitet und sind wirklich alle (!) auf ihre Art einzigartig. In der ersten Staffel treffen wir Cordelia, Cheerleaderin und Tussi wie sie im Buche steht. Joss Whedon spielt gerne mit Klischees und überrascht einen dann völlig. So auch mit Cordelia, die durchaus ein Herz und intelligente Sprüche drauf hat, und eine unheimliche Wandlung durchmacht. Oder Oz, einsilbiger Gitarrist einer Band, derjenige, der als Erster erkennt, was in Willow steckt, und sie wirklich sieht.

Ein besonderes Beispiel für einen einzigartigen Charakter ist Anya, die später hinzustößt. Anya, eine Rachedämonin, die zum Menschen wird und dem zuerst überhaupt nichts abgewinnen kann.

So bringt sie mit ihrer unsensiblen Art die andere Charaktere immer wieder zum Verzweifeln, während man als Zuschauer spannend beobachtet, wie Anya die Gesellschaft der Menschen kennenlernt und immer mehr durchschaut. (Unvergessen ist die Szene, in der sie beim Monopolyspielen fragt, ob man Kinder gegen mehr Geld tauschen kann.) Gänsehaut bereitet es, wenn Anya, nach dem Tod von Buffys Mutter, verwirrt ist und nicht versteht, was der Tod bedeutet und wie die Menschen damit umgehen:

But I don’t understand! I don’t understand how this all happens. How we go through this. I knew her, and then she’s — there’s just a body, and I don’t understand why she just can’t get back in it and not be dead anymore! It’s stupid! It’s mortal and stupid! And…and Xander’s crying and not talking, and…and I was having fruit punch, and I thought, well, Joyce will never have any more fruit punch, ever, and she’ll never have eggs, or yawn, or brush her hair, not ever, and no one will explain to me why!“

Wie man als Leser vielleicht schon gemerkt hat, bleibt die Serie nicht stehen. Buffy, Xander und Willow verlassen die Highschool. Damit ändern sich auch die Herausforderungen und es wird nicht unbedingt leichter. Buffy muss sich nach dem überraschenden Tod ihrer Mutter, die übrigens nicht durch übernatürliche Kreaturen, sondern durch ein Hirnaneurysma stirbt, in der fünften Staffel nicht nur mit Dämonen sondern auch noch mit Alltagsdingen herumschlagen und in einem Burgerladen arbeiten, um sich finanziell über Wasser zu halten. Willow, die schon zu Schulzeiten mit Zauberei experimentiert hat, verliebt sich unsterblich in eine Frau und erlebt die wohl schönste Serienliebe, die sie jedoch nicht davon abhalten kann, immer mehr in ihre Zaubersucht und ihre dunkle Seite hereinzugleiten. Xander, der stetig mehr damit zu kämpfen hat, dass er eben weder der Auserwählte ist noch zaubern kann und das Gefühl hat, dass seine Freunde ihn nicht mehr benötigen. Giles, der Buffy zwar mittlerweile wie eine Tochter liebt, aber sie verlässt, damit sie lernt auf sich allein gestellt zu sein.

Ich könnte so viele einzelne Dinge nennen, die Buffy alleine schon sehenswert machen…Buffys erste und unschuldige Liebe zu dem Vampir Angel, der im Moment des höchstens Glücks, als die beiden an Buffys 17. Geburtstag endlich körperlich eins werden, seine Seele verliert und zu einem Psychopathen mutiert, den Buffy letztendlich töten muss. Giles, der Tweed trägt und so sehr Brite ist, dass man ihn lieben muss. Die Liebe zwischen Willow und Tara, in ihrer reinsten Form („I am, you know.“ – “What?“ -“Yours.“). Buffy, die immer wieder alles opfern muss. Dass es keine Grenze zwischen Gut und Böse gibt, sondern immer wieder Grauzonen. Dass ein Dämon gut sein kann und ein Mensch ein Monster. Die Szene zwischen Xander und Willow in „Grave“. Die Dialoge zwischen Xander und Cordelia, Anyas unerklärliche Hasenphobie, Spikes und Buffys denkwürdige Beziehung, Oz‘ One-Liners, Drusillas Wahnsinn, die Liveauftritte der Bands im Bronze,…

Ich warne davor, die Serie nach den ersten Folgen als naiv und mit dem Prädikat „nicht ernstzunehmen“ abzustempeln. Man muss wissen, dass sie mit sehr geringem Budget in den 90ern produziert wurde und nicht klar war, ob es mehr Staffeln von Buffy geben wird. Die erste Staffel ist noch sehr humorlastig und hat nicht die beste Bildqualität. Nichtsdestsotrotz sehe ich sie noch sehr gerne, das Kennenlernen von Buffy, Willow & Xander, das erste Treffen zwischen Buffy und Angel, die 16-jährige Buffy, die nichts von ihrem Schicksal hören will. Ich sehe diese Folgen aber auch mit dem Gedanken daran, was später noch auf die Charaktere zukommen wird. Gerade die späteren Staffeln sind alles andere als leichte Kost und definitiv mehr auf Tragik ausgelegt, was sich auch an den Liebesbeziehungen zwischen den Charakteren erkennen lässt, die nun eindeutig nicht mehr „unschuldig“ zu nennen sind, sondern oft selbstzerstörerisch (trotzdem geht der typische Buffy-Humor nicht verloren, auch wenn er – wie die Titelfigur selbst – bitterer wird.)

Besonders hervorzuheben sind die experimentellen Folgen, wie die Folge „Hush“, in der 25 Minuten kein einziges Wort gesprochen wird, „The Body“, die ganz ohne Hintergrundmusik auskommt und die beklemmenste Folge aller Serien ist, die ich bisher sah, oder „Once more with feeling“, die berühmte und preisgekrönte Musicalfolge.

Nicht umsonst hatte Buffy einen immensen kulturellen Einfluss (so gilt Buffy doch als eine der ersten weiblichen Heldinnen), hat viele spätere TV-Serien inspiriert und wurde von verschiedenen Magazinen zu den Greatest TV Shows gezählt.

Selbst wenn andere Leute das nicht auch erkannt hätten und Buffy nicht in diesen „Greatest…“-Listen auftauchen würde, würde ich jederzeit für diese Serie einstehen. Ich kann nicht beschreiben, was Buffy, Xander & Willow für mich getan haben. Das können vermutlich nur die Leute nachvollziehen, die mit Harry, Ron & Hermine aufgewachsen sind.

Buffy, Willow und Xander haben mir gezeigt, dass man die Schule übersteht, auch wenn man anders ist. Buffy hat mir geholfen, mich meinen eigenen „Dämonen“ zu stellen, davor wegzulaufen, aber immer wiederzukommen. Willow hat mir gezeigt wie normal es ist, sich in eine Frau zu verlieben. Und wie wundervoll. Xander ist vor meinen Augen zum Mann geworden und ist durch seine Treue vielleicht der eigentliche Held der Serie. Nicht umsonst wird er mit Ron Weasley verglichen. Ich habe gelernt, dass es im Leben immer wieder Wendepunkte geben wird und das sich nur  durch das Handeln entscheidet, wer man wirklich ist.

Ich habe viele Worte darauf verwendet, zu beschreiben, was Buffy für mich bedeutet. Dabei hat es Joss Whedon selbst formuliert

I designed Buffy to be an icon, to be an emotional experience, to be loved in a way that other shows can’t be loved.“

Danke Joss.

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3 Antworten zu “Was Buffy bedeutet. Ein Versuch.

  1. Hab echt soooo eine Sehnsucht die ganze Serie nochmal zu schauen, du hast es einfach gigantisch toll beschrieben 🙂 Buffy ist meine absolute Lieblingsserie, aber noch viel viel mehr für mich als einfach nur eine Serie, es ist einfach ein großes Stück Leben, Hoffnung, Kraft, Fantasie was mir einfach immer hilft wenn ich nicht mehr weiter kann oder weiter weiss.
    What would Buffy do
    Ach ich liebe diese Serie!!

    • Vielen Dank! Es freut mich, dass es nicht nur mir so geht und auch für andere Menschen „Buffy“ mehr war als eine Serie. Ich kann dir nicht sagen, wie oft ich schon dachte „What would Buffy do?“ und mich gleich gestärkter gefühlt habe.

  2. Dankeschön. (: Ich glaube, ganz vielen geht es genau so, nur sieht man das eben meistens nicht.

    Buffy habe ich früher auch total gerne geschaut und gebe dir absolut Recht: Buffy ist eine ganz besondere Serie! Ich denke, ich werde mir bald mal die Staffeln kaufen und mir alles noch mal anschauen, weil ich mich mittlerweile nicht mehr richtig an alles erinnern kann – bei den ersten Staffeln war ich auch noch recht klein, ich glaube die erste und zweite Staffel haben ich sogar gar nicht gesehen (wenn ich mich richtig erinnere, hat’s mir damals meine Mutter verboten).

    Liebe Grüße!

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