Is it „enough“ to have a good life?


Quelle

“Love one person, take care of them until you die. You know, raise kids. Have a good life. Be a good friend. And try to be completely who you are. And figure out what you personally love. And like go after it with everything you’ve got no matter how much it takes.”
― Angelina Jolie

Etwas hat sich verändert. Ganz langsam.

Früher habe ich mir gewünscht, die Welt zu verändern oder zumindest etwas zu hinterlassen, wenn ich sie verlasse. Später wollte ich ein wildes Leben führen, alles voll auskosten und mich hineinstürzen. Liebe und Schmerz in vollen Zügen, viele Tattoos, in die weite Welt auswandern, Hals über Kopf heiraten, Rock’n Roll, mit Risiko leben.

Wenn ich heute an meine Zukunft denke, wünsche ich mir eine beständige Beziehung, einen Partner, mit dem ich das Leben meistere und den ich lange Jahre lieben kann. Vielleicht auch heiraten, wenn wir uns über Jahre zusammen erprobt haben. Ich möchte Kinder und ich wünsche mir sehr, dass sie gesund sind. Ein Haus in einer ruhigeren Gegend wäre schön, die nächste große Stadt nicht weit entfernt. Von mir aus auch ein Gartenzaun. Ein Beruf, der mich nicht zu sehr frustriert und von dem wir gut leben können. Ich möchte Patentante der Kinder meiner besten Freunde werden und selbst eine gute Freundin sein. Gesundheit oder zumindest keine schwereren Krankheiten. Das wäre mein Glück.

Hätte ich das hier vor einigen Jahren gelesen, hätte ich angewidert die Nase gerümpft. Spießig und auch noch ein Gartenzaun? Was ist an diesem Leben bitte abenteuerlich, wie soll man sich an dich erinnern können? Wo ist der Mut?

Ich weiß nicht, wann das passiert ist, dass ich mir all das „Normale“ so sehr wünsche, dass mich der Gedanke an dieses Leben mit Zufriedenheit  erfüllt. Natürlich bin ich immer noch für viel Unvernünftiges zu haben, ich trinke gerne, habe denselben Humor und die gleichen alternativen Freunde wie früher, möchte um die Welt reisen und würde mich nicht als langweilig beschreiben.  Ich werde bestimmt niemals eine dieser „Muttis“, die nur noch über die neuesten Kinderwagen und ersten Pupser ihrer Kinder reden. Ich mag  nach wie vor Rock’n Roll, fühle mich von kaputten Menschen angezogen und ich habe Träume. Und einer davon ist eben, ein ganz normales Leben ohne sonderlich viel Dramatik zu führen. Ich möchte nicht mit 30 Jahren in einem Hotelzimmer nach einem Drogencocktail sterben, schön und jung. Ich will auch nicht auf den Mount Everest steigen oder diese selbstzerstörerische Liebe, die einen vollkommen aufzehrt und einen sich verlieren lässt.

Ist es nicht heutzutage Herausforderung genug, eine stabile Beziehung mit gegenseitiger Liebe zu führen oder seinen Job 20 Jahre ohne Burnout zu behalten? Ist es nichts das Abenteuerlichste der Welt, ein Kind durch sein Leben zu begleiten und ihm die Welt zu zeigen? Das Schöne und das Hässliche, die Gefahr und die Sicherheit? Gibt uns das Leben nicht schon genug Hürden?

Vielleicht bin ich auch mit allem anderen überfordert, das mag sein. Das mir nichts anderes übrig bleibt, als ein stinknormales Leben zu führen. Ich nun mal weder ein Rockstar, noch die Muse eines Künstlers oder Extremsportlerin bin. Ich werde nicht die Welt verändern. (Bin ich ein schlechter Mensch deswegen, weil ich das gar nicht mehr anstrebe?)

Aber wenn das so wäre, wenn das alles bloß eine Notlösung wäre,  würde ich doch nicht diese Zufriedenheit spüren, wenn ich mir die Zukunft ausmale. Habe ich mich so verändert? Oder ist das dieses berühmte Erwachsenwerden? Was auch immer diese Wünsche nach einem stabilen, bodenständigem Leben in mir auslöst: Danke, es tut gut.

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2 Antworten zu “Is it „enough“ to have a good life?

  1. Das hast du echt wundervoll ausgedrückt 🙂
    Und in den letzten eineinhalb Jahren habe ich mich auch genau in diese Richtung entwickelt und hätte es mir nie vorstellen können! Wollte doch immer Abenteuer, immer etwas Besonderes sein, weil ich sonst einfach nichts zu bieten hatte, für niemanden. Und nun? Erkenne ich langsam, dass es vielleicht auch ganz sinnvoll ist, sich für sich selbst ein schönes Leben zu machen. Nicht für andere. Nach Jahren der ständigen Umzüge, ständigem Neuaufbau des Lebens in neuen Umgebungen, neuen Jobs, neuen Ländern… sehne ich mich wirklich danach, mit meinem wundervollen Partner ein tolles, gemeinsames Leben nach unseren Wünschen starten zu können. Mit einem ländlichen Haus und lustigen Wein- und Cocktailabenden mit besten Freunden. Mit einem Job, an dem ich nicht mehr an Überforderung so kaputt gehe, dass ich mich vor der Arbeit mit Wodka und Schmerztabletten betäuben muss. Mit nicht mehr so hohen Anforderungen und Perfektionismus, dass es mich in die Depressionen treibt.
    Denn ich glaube, so langsam erkennen wir, dass an all diesem Schmerz, Drama, dieser kurzlebigen, unverbindlichen Erlebniswelt dann doch nichts Glamouröses zurückbleibt wenn man mal genauer hinschaut. Und dass das wahre Leben, was einen zufrieden macht, dann doch woanders liegt. 🙂
    Viel Erfolg und Glück beim Traumpartner kennenlernen 🙂
    Liebe Grüße
    Stef
    silvercrown.de

  2. So. Ich komme auch endlich einmal dazu, hier wieder zu kommentieren. Liv, ich verstehe ich. Ich denke, man nennt das erwachsen werden. Aber wer sagt, dass ein solches Leben nicht cool und aufregend und vor allem wunderschön sein kann?
    Kathi

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