Archiv der Kategorie: Bewegendes

You and me and all of the people.

Ansonsten:

Pretty Little Liars, Season 2 fertig. Holy fuck.
Angelina Jolie, konsequent wie immer. Danke, dass du deine Erfahrung mit uns teilst.
Bastille, The Gaslight Anthem, Measure, Hayley Taylor und Orelia Has Orchestra. Danke für die Musik.

Da es gewünscht wurde, ein unspektakuläres Bild von meiner Wenigkeit. (Da Handy-Kabel immer noch zickt, ein Link zu Instagram):

http://instagram.com/p/ZI2-Eiy45N/

Advertisements

“She hadn’t chosen the brave life. She’d chosen the small, fearful one.”

(Ich entschuldige mich im Voraus für dieses Durcheinander von Text, aber ich bringe keine anständigen Rezensionen zustande und wusste nicht mal, dass das hier eine wird, und bin von der Lektüre des Buches verwirrt und dieser Text hier wird dem Buch nicht gerechnet. Aber alles wieder zu löschen, das bringe ich auch nicht über mich.)

7007304278_3b4517f85d_nQuelle: http://www.flickr.com/photos/tjstaab/7007304278/

Wenn man älter wird, lernt man einen Satz, nur fünf Wörter, aber sie spenden mehr Trost als die meisten anderen. Ich werde sie dir sagen. Hörst du zu?“
„Ja, ich höre.“
Wenigstens hab ich es versucht.

Ich las eben ein Buch fertig.

An sich ist das keine große Sache, sollte man meinen, und ich schäme mich etwas, das als etwas besonderes herauszustellen. Aber für mich ist es das.
Die letzten Monate, eigentlich das letzte halbe Jahr, waren eine schwierige Zeit für mich. Alte Gedanken, alte Ängste und Schmerzen kamen zurück zu mir und haben mich umgeworfen. Genauso heftig wie beim ersten Mal, nur war ich diesmal wesentlich älter und habe sofort die nötigen Schritte ergriffen. Aber leichter war es dadurch nicht. (Ich komme vom Thema ab.)
Jedenfalls habe ich seit September kein Buch mehr richtig lesen können, höchstens mal bruchstückhaft abends ein paar Seiten. Deswegen macht es mich glücklich, dass ich eben den Buchdeckel zugeschlagen habe und das Gefühl hatte, dieses Buch am Stück verschlungen zu haben, wie früher.

In meinen späten Teenagerjahren stieß ich auf die Buchreihe „The Sisterhood of the Traveling Pants“ von Ann Brashares. Ich erinnere mich noch, dass ich -trotz des bescheuerten Titels- ganz begeistert vom unaufdringlichen Schreibstil der Autorin war und von ihrer Sensibilität für die Gefühle von heranwachsenden Frauen. Erste Liebe, Scheidung der Eltern, Tod, Enttäuschung, das alles war keinesfalls oberflächlich dargestellt, wie man es vielleicht aus „Teeniebüchern“ kennt, sondern mit Tiefsinnigkeit, philosophischen Gedanken und Echtheit. Ich konnte den Schmerz der vier so unterschiedlichen Protagonistinnen beim Lesen damals teilweise körperlich spüren. Carmen, Lena, Tibby und Bridget waren für mich Figuren, in denen ich mich teilweise selbst erkannte (meistens in ihren jeweiligen fein herausgearbeiteten Schwächen) und deren Entscheidungen ich an anderen Stellen wiederum nicht verstehen konnte.
Bridget, mit ihrer Unstetigkeit nach dem Selbstmord ihrer Mutter, bloß nie still stehen, weiter, immer weiter, tiefer hinein, nur nie stehenbleiben, und Tibby mit ihrer destruktiven und teils verletztenden Art sind mir immer am nächsten gewesen. Es tat manchmal weh, sich beim Lesen in einigen Verhaltensweisen selbst wiederzufinden, das sollte ich vielleicht auch erwähnen.)
Jedenfalls erinnere ich mich daran, dass ich damals schon Zitate aus den Büchern herausschrieb, die mich zum Weinen, Nachdenken oder Schmunzeln brachten (eines der ersten war: „Maybe it’s easier to be mad at the people you trust because you know they’ll always love you, no matter what.” Für wahr befunden.) Dabei war ich auch immer fasziniert von den klug ausgewählten (Song/Film-)Zitaten, die die Autorin ihrerseits vor die jeweiligen Kapitel setzte. (Allein deswegen hätte ich die Bücher schon gekauft.)

Ich hielt die Serie für abgeschlossen mit dem vierten Band, hatte sie doch ein rundes Ende gefunden und mich nicht enttäuscht. Im Jahr 2011 las ich dann zufälligerweise, dass Ann Brashares einen fünften Band herausbringen würde. Ich war misstrauisch: War die Geschichte der vier Freundinnen nicht erzählt? Ich war doch zusammen mit ihnen erwachsen geworden (zumindest auf dem Papier). Auf Ann’s Blog las ich dann, dass der letzte Band ca. 10 Jahre nach dem vierten Band spielen und die vier Frauen mittlerweile 29 Jahre alt sein sollten.
Zu der Skepsis mischte sich Neugier: Sind die vier Frauen noch so wie früher? Hat Bridget endlich Halt gefunden? Was ist aus Lena und Kostos geworden? Habe ich noch eine Beziehung zu den inzwischen Dreißigjährigen?

Vorhin habe ich diesen letzten Band lächelnd zugeschlagen, nachdem ich vor einigen Tagen noch dachte, ich würde ihn nicht zu Ende lesen, weil es zu weh tat. Ich konnte nicht fassen, was Ann Brashares mir und all den anderen, die mit der Reihe aufgewachsen waren angetan hatte. Uns eine der vier zu nehmen, in ihren jungen Jahren, diese scheinbare Sinnlosigkeit. Wütend habe ich weitergelesen. Im Nachhinein, habe ich mich beim Lesen vermutlich ähnlich gefühlt wie die Figuren selbst: Schock, Ohnmacht,Trauer, Wut. Ich fühlte mich genauso vor den Kopf gestoßen wie die Übriggeblieben im Buch. War alles davor Gelogen? War das alles nicht echt gewesen und wunderbar? (Ich denke mittlerweile, dass wir Leser uns auch genauso fühlen sollten. Die Autorin wusste, was sie tat.) Brashares hat es danach auf wundersame Weise geschafft, langsam wieder Licht ins Dunkle zu lassen, Trost zu schenken und trotzdem der Trauer ihren Platz zu gewähren. (Gott, ich rede als wäre ich selbst eine Hinterbliebene, aber ich habe mich zeitweise ähnlich gefühlt.)
Ich habe um eine der vier und mit den zurückgebliebenen drei Hauptfiguren getrauert, über den Tod, restliche Zeit, Kinder und die tröstliche Funktion von „Wenigstens hab ich es versucht“ nachgedacht. Und vor allem habe ich mich den vier Frauen aus dem Buch nahegefühlt, vielleicht näher als in den Büchern bisher.Dieser letzte Band hat mir, wie die anderen zuvor auch, etwas geschenkt. Etwas, mit dem ich bei der Hälfte des Buches nie gerechnet hätte. Diesmal heißt das Geschenk Zuversicht und ich bin dankbar dafür.

Ich wünschte mir, es würden mehr Heranwachsende diese Bücher lesen, und genau aus diesem Grund bedaure ich die Art, wie die deutschen Ausgaben gestaltet wurden. Von außen sehen die Bücher aus wie Kinderbücher, was definitiv irreführend ist. Der Tief- und Feinsinnigkeit, die in ihnen steckt, wird das nicht im Geringsten gerecht. Besonders der vierte Band, der sich an die mit den Figuren mitgewachsenen Leser richtet, die nun selbst in ihren Zwanzigern sein dürften, wirkt in seiner Gestaltung wie ein Witz. Man muss sich nur klarmachen, dass es um junge Frauen geht, um Trauer und Verlust sowie Leben und Freundschaft über den Tod hinaus. Oder wie Ann Brashares vor einem Kapitel T. S. Eliot zitiert:

„I had seen birth and death, but had thought they were different.“

Truth.

 tumblr_lvjsq1zZQr1qgmt5yo1_250tumblr_lvjsq1zZQr1qgmt5yo2_250  tumblr_lvjsq1zZQr1qgmt5yo3_250tumblr_lvjsq1zZQr1qgmt5yo4_250

Quelle: http://thebuffster.tumblr.com/

„Every single person down there is ignoring your pain because they’re too busy with their own. The beautiful ones. The popular ones. The guys that pick on you. Everyone. If you could hear what they were feeling. The loneliness. The confusion. It looks quiet down there. It’s not. It’s deafening.“

What made us think we were wise and we’d never compromise.

When I was young I knew everything
She a punk who rarely ever took advice
Now I’m guilt stricken,
Sobbing with my head on the floor
Stop a baby’s breath and a shoe full of rice

I can’t be held responsible
She was touching her face
I won’t be held responsible
She fell in love in the first place

For the life of me I cannot remember
What made us think that we were wise and
We’d never compromise
For the life of me I cannot believe
We’d ever die for these sins
We were merely freshmen

My best friend took a week’s
Vacation to forget her
His girl took a weeks’s worth of
Valium and slept
And now he’s guilt stricken sobbing with his
Head on the floor
Thinks about her now and how he never really
Wept he says

I can’t be held responsible
She was touching her face
I won’t be held responsible
She fell in love in the first place

For the life of me I cannot remember
What made us think that we were wise and
We’d never compromise
For the life of me I cannot believe
We’d ever die for these sins
We were merely freshmen

hey yeah
hey yeah
hey yeah

We’ve tried to wash our hands of all this
We never talk of our lacking relationships
And how we’re guilt stricken sobbing with our
Heads on the floor
We fell through the ice when we tried not to
Slip, we’d say

I can’t be held responsible
She was touching her face
And I won’t be held responsible
She fell in love in the first place

For the life of me I cannot remember
What made us think that we were wise and
We’d never compromise
For the life of me I cannot believe
We’d ever die for these sins
We were merely freshmen

For the life of me I cannot remember
What made us think that we were wise and
We’d never compromise
For the life of me I cannot believe
We’d ever die for these sins
We were merely freshmen
We were merely freshmen

Es ist gerade keine gute Zeit.
Dieser Song erinnert mich an meine späte Teenagerzeit, als wir dachten, dass alles geht – keine Kompromisse. Alles hat sich geändert, einige Träume sind zerplatzt, die Realität hat uns die ein oder andere Ohrfeige verpasst, aber diese Sehnsucht in uns, die ist noch da, irgendwo. Hoffe ich. Hoffe ich sehr.

…und One Tree Hill.

Ich bin momentan in einer komischen Phase, hänge in der Schwebe. Meinen Bachelor habe ich nun abgeschlossen, das Ergebnis der Bachelorarbeit war… hervorragend, wunderbar und sehr erleichternd. Es hat sich also doch alles gelohnt und ich bin stolz darauf.                                                                                          In wenigen Wochen geht es sofort mit dem Master weiter, diesmal warten Hauptseminare statt Proseminaren auf mich. Der Stundenplan wird – im Gegensatz zum letzten Semester – gefüllt bis zum Platzen sein. Ich werde vermutlich morgens früher aufstehen, weitaus weniger Alkohol trinken (was meiner Leber gut tun wird *hüstl*) und beschäftigter sein. In letzter Zeit hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Ich rase durch mein Studium, zielorientiert, auch wenn ich mich zwischen durch oft genug gehen lasse auf diversen Partys und alkoholgetränkten DVD-Abend mit unglaublich sclechten Filmen (was den Alkoholkonsum erklärt). Ich habe…wie soll ich sagen..das Gefühl, dass irgendetwas dabei auf der Strecke bleibt. Alles ist so vorhersehbar. In zwei Jahren werde ich vermutlich meinen Masterabschluss haben und mit 24 Jahren ins Referendariat starten. Andere haben sich ihr Jahr in Neuseeland, Australien, Irland oder sonstwo geleistet – ich hab alles schnurstracks durchgezogen. Teils, weil ich meine Eltern nicht finanziell belasten wollte, teils weil ich es mir und meinem Heimweh nicht zutraute, im Ausland zu leben. Teils auch, weil ich fertig werden will mit dem Studium – nicht, weil ich das Studentenleben nicht liebe, um Gottes Willen – aber ich möchte gerne endlich Geld verdienen. Nicht immer ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mir DVDs oder massenhaft Bücher kaufe oder gar in den Urlaub fahre. Sicherlich ist Geld nicht alles, aber es ist auch nicht unwichtig für das Wohlbefinden.
Und ich möchte wieder lieben. Es wird Zeit. Eine Freundin von mir bekommt nun mit 24 ihr ersten Baby, ungeplant aber sehr erwünscht. Sie zieht ihr Studium nebenher grandios durch, arbeitet an der Uni als Hiwi undbetreut auch noch ein behindertes Mädchen. Sie und ihr Freund sind glücklich, leben alternativ, fahren mit ihrem VW-Bus zwei Wochen nach Slowenien in die Pampa, obwohl sie im achten Monat schwanger ist. Wenn ich das mit meinem Leben vergleiche… naja, lassen wir das.

Nebenher schaue ich mal wieder One Tree Hill. Meine beste Freundin hat vor Monaten damit angefangen und ist mittlerweile bei Staffel 4. Ich schaue natürlich mit und erlebe alles nochmal von Beginn an. Neue Dinge fallen mir auf, ich achte noch mehr auf die wundervolle Musik als beim ersten Sehen. One Tree Hill ist in dieser Hinsicht einfach ungaublich. Dass Led Zeppelin es dieser Serie erlaubt haben, einen Song von ihnen („Babe I’m gonna leave you“) zu verwenden, sagt schon alles. Meine One Tree Hill-Playlist bei Spotify auch.
Ich erlebe erneut, wie Nathan zum Vater und guten Menschen wird, ärgere mich wieder darüber, dass Lucas so schnell von Brooke zu Peyton übergeht (das wird seiner ach-so-großen-Liebe zu Brooke einfach nicht gerecht), trauere um Keith, bewundere Brooke für ihre Stärke, werde gerührt von Peytons Trauer um ihre Mom, bin zwiegespalten, was Haley angeht und hasse/liebe Dan noch wie beim ersten Mal. Ich weine um Jimmy Edwards  („God Bless The Child“ von Michelle Featherstone werde ich für immer mit dieser großartigen und erschütternden Folge verbinden). Ich vergöttere Rachels Haare. Ich liebe es, was Musik, Kunst und Literatur für die Charaktere bedeuten und entdecke mich selbst darin, dass ich schreien möchte: „It sucks always being the footnote in someone else’s love story!“ (Oh, Brooke. An deiner Stelle hätte ich nie verzeihen können. Wo ich dabei bin: Wisst ihr eigentlich wie schwer es ist, zu verzeihen? Nicht zu verbittern, wenn jemand anderes gewählt wird? Jemand anderem Platz zu machen, auch wenn man so gerne an dessen Stelle wäre? Ich finde diesen Zug an anderen Menschen so bewundernswert, weil ich darin so schlecht bin.)             Jedenfalls bin ich sehr dankbar für diese Serie, sie gibt mir so viel mehr als es O.C. California je konnte (ich bringe den Vergleich, weil jeder diese beiden Serien miteinander vergleicht). Sie ist echter und tiefgründiger und schmerzerfüllter. Und voller Musik, die entdeckt werden will.  Ich brauchte damals ein paar Folgen, um süchtig zu werden, aber dann schlichen sich die Jugendlichen und Erwachsenen aus Tree Hill in mein Herz – und blieben dort.

We used to play outside when we were young and full of life and full of love.

Hey! Hey! Hey!
I don’t like walking around this old and empty house
So hold my hand, I’ll walk with you my dear
The stairs creak as I sleep, it’s keeping me awake
It’s the house telling you to close your eyes

Some days I can’t even trust myself
It’s killing me to see you this way

Because though the truth may vary
This ship will carry
Our bodies safe to shore

Hey! Hey! Hey!
There’s an old voice in my head that’s holding me back
I tell her that I miss our little talks
Soon it will all be over, buried with our past
You used to play outside when you were young
Full of life and full of love

Some days I feel like I am wrong and I am right
Your mind is playing tricks on you my dear

Because though the truth may vary
This ship will carry
Our bodies safe to shore

Hey!
Don’t listen to a word I say
Hey!
The screams all sound the same
Hey!

Because though the truth may vary
This ship will carry
Our bodies safe to shore

Go, go, go away
I wish you’d disappear
All that’s left is a ghost of you
Now we’re torn, torn, torn apart
There’s nothing we can do
Just let me go, we’ll meet again soon
Now wait, wait, wait for me
Please hang around
I see you when I fall asleep

Hey!
Don’t listen to a word I say
Hey!
The screams all sound the same
Hey!

Because though the truth may vary
This ship will carry
Our bodies safe to shore

Don’t listen to a word I say
Hey!
The screams all sound the same
Hey!

Because though the truth may vary
This ship will carry
Our bodies safe to shore

Because though the truth may vary
This ship will carry
Our bodies safe to shore

Because though the truth may vary
This ship will carry
Our bodies safe to shore

————————————————————————————————–

Ich hörte diesen Song, den vermutlich schon jeder kennt, heute im Radio. In der Sendung werden die Lyrics und der Inhalt von Liedern besprochen. Ich fand es, aus welchem Grund auch immer, faszinierend, dass dieser leicht und lustig klingende Song die traurige Geschichte eines alten Ehepaares erzählt, von dem der Mann bereits gestorben ist.  Die Witwe läuft im Haus herum und spricht in Gedanken mit ihrem toten Ehemann („All that’s left is a ghost of you/ Now we’re torn, torn, torn apart/There’s nothing we can do“). Mir fallen spontan keine Songs ein, die von älteren Ehepaaren handeln, von denen einer den anderen zuerst zurücklässt. Es hat mich gerührt, wie sie davon singt, dass sie es hasst, alleine durch dieses alte und leere Haus zu gehen und er ihr in Gedanken antwortet „So hold my hand, I’ll walk with you my dear“ . Es muss unendlich schwer sein, wenn man sein Leben zusammen verbracht hat, alles geteilt hat und dann einer den anderen zuerstzurücklassen muss, weil das eben der Lauf der Dinge ist.

Is it „enough“ to have a good life?


Quelle

“Love one person, take care of them until you die. You know, raise kids. Have a good life. Be a good friend. And try to be completely who you are. And figure out what you personally love. And like go after it with everything you’ve got no matter how much it takes.”
― Angelina Jolie

Etwas hat sich verändert. Ganz langsam.

Früher habe ich mir gewünscht, die Welt zu verändern oder zumindest etwas zu hinterlassen, wenn ich sie verlasse. Später wollte ich ein wildes Leben führen, alles voll auskosten und mich hineinstürzen. Liebe und Schmerz in vollen Zügen, viele Tattoos, in die weite Welt auswandern, Hals über Kopf heiraten, Rock’n Roll, mit Risiko leben.

Wenn ich heute an meine Zukunft denke, wünsche ich mir eine beständige Beziehung, einen Partner, mit dem ich das Leben meistere und den ich lange Jahre lieben kann. Vielleicht auch heiraten, wenn wir uns über Jahre zusammen erprobt haben. Ich möchte Kinder und ich wünsche mir sehr, dass sie gesund sind. Ein Haus in einer ruhigeren Gegend wäre schön, die nächste große Stadt nicht weit entfernt. Von mir aus auch ein Gartenzaun. Ein Beruf, der mich nicht zu sehr frustriert und von dem wir gut leben können. Ich möchte Patentante der Kinder meiner besten Freunde werden und selbst eine gute Freundin sein. Gesundheit oder zumindest keine schwereren Krankheiten. Das wäre mein Glück.

Hätte ich das hier vor einigen Jahren gelesen, hätte ich angewidert die Nase gerümpft. Spießig und auch noch ein Gartenzaun? Was ist an diesem Leben bitte abenteuerlich, wie soll man sich an dich erinnern können? Wo ist der Mut?

Ich weiß nicht, wann das passiert ist, dass ich mir all das „Normale“ so sehr wünsche, dass mich der Gedanke an dieses Leben mit Zufriedenheit  erfüllt. Natürlich bin ich immer noch für viel Unvernünftiges zu haben, ich trinke gerne, habe denselben Humor und die gleichen alternativen Freunde wie früher, möchte um die Welt reisen und würde mich nicht als langweilig beschreiben.  Ich werde bestimmt niemals eine dieser „Muttis“, die nur noch über die neuesten Kinderwagen und ersten Pupser ihrer Kinder reden. Ich mag  nach wie vor Rock’n Roll, fühle mich von kaputten Menschen angezogen und ich habe Träume. Und einer davon ist eben, ein ganz normales Leben ohne sonderlich viel Dramatik zu führen. Ich möchte nicht mit 30 Jahren in einem Hotelzimmer nach einem Drogencocktail sterben, schön und jung. Ich will auch nicht auf den Mount Everest steigen oder diese selbstzerstörerische Liebe, die einen vollkommen aufzehrt und einen sich verlieren lässt.

Ist es nicht heutzutage Herausforderung genug, eine stabile Beziehung mit gegenseitiger Liebe zu führen oder seinen Job 20 Jahre ohne Burnout zu behalten? Ist es nichts das Abenteuerlichste der Welt, ein Kind durch sein Leben zu begleiten und ihm die Welt zu zeigen? Das Schöne und das Hässliche, die Gefahr und die Sicherheit? Gibt uns das Leben nicht schon genug Hürden?

Vielleicht bin ich auch mit allem anderen überfordert, das mag sein. Das mir nichts anderes übrig bleibt, als ein stinknormales Leben zu führen. Ich nun mal weder ein Rockstar, noch die Muse eines Künstlers oder Extremsportlerin bin. Ich werde nicht die Welt verändern. (Bin ich ein schlechter Mensch deswegen, weil ich das gar nicht mehr anstrebe?)

Aber wenn das so wäre, wenn das alles bloß eine Notlösung wäre,  würde ich doch nicht diese Zufriedenheit spüren, wenn ich mir die Zukunft ausmale. Habe ich mich so verändert? Oder ist das dieses berühmte Erwachsenwerden? Was auch immer diese Wünsche nach einem stabilen, bodenständigem Leben in mir auslöst: Danke, es tut gut.